Geschichten die das Leben schreibt

Ein Sommerwochenende in Rostock. Erster Teil.

Wie jedes Jahr war auch diesmal wieder Hansesail in Rostock angesagt, also nichts wie hin. Schon auf der Hinfahrt war es ganz lustig. An der erstbesten Ampel wurden wir von einer Horde Jugendlicher gefragt wo denn hier der "Bremer-Hafen" sei (da war übrigens auch ein Segelboottreffen). Nach kurzer Erläuterung der Lage von wegen falsche Stadt und so konnte wir dann endlich zu Thiese fahren. Na ja was soll man auch von Dorfkindern halten die dem neusten Getränketrend gnadenlos hinterherhinken und sich an der Ampel, ungekühlte "Alcopop-Billigplagiate" reinziehen.

Und gleich eine Traditionellen freitäglichen Streulinggedächtnisküchenparty gefeiert. Die Betrachtung der Schiffe auf einem Laptop unter Nutzung einer Webcam in einer ca. 500 Meter vom Geschehen entfernten Küche, war leider nicht sehr zufrieden stellend, daher zogen wir dann am Samstag, begleitet von meinem zweiflerischen Protest, weil ich keine Lust hatte zu laufen und schon gar nicht schon wieder hinter Thiese her durch Rostock, wie vor ein par Jahren nach einem Konzert im Platzregen zum geparkten Auto (der kürzeste Weg vom Kastanienplatz zum Kröpeliner Tor ist ja bestimmt nicht über den Betriebsbahnhof der Straßenbahn (6 km)).

Na jedenfalls lotste uns Thiese jetzt über Hinterhöfe, Baustellen, und andere verschlossene Abkürzungen, das wir bloß nichts vom Städtischen Hansesailflair mit Budenzauber und allem mitbekommen, zur Terrasse.

Schnell noch ein bisschen Fleisch und Likörchen fürs Öhrchen eingekauft und die Party kann losgehen. Frei nach dem Trinkspruch "Likörchen ans Öhrchen", streckten uns ein Dutzend Leute Ihre Becher entgegen so als wenn eine Truppe Römischer Legionäre, uns beim verhaften, ihre Lanzen an die Kehle hielten. Folglich mussten wir in kleinen konspirativen Grüppchen jeweils zu zweit trinken um kein großes Aufsehen zu eregen. Trotzdem war ruckzuck alles leergesoffen, wie durch eine Heuschreckenschar die durch Mittelasien zieht.

Auf einmal war lautes Gehdonner und Gehballer zu vernehmen, das Höhenfeuerwerk, welches nur schwer von der Terrasse aus zu sehen war, hat begonnen. Alle sind am panischen auseinahnderstoben um einen Sichtplatz zu ergattern weil ja alles, auch ein Feuerwerk irgendwann einmal ein Ende hat, außer natürlich eine Wurst, die hat zwei. Thiese kam dann auf die Idee durchs Dachfenster aufs Flachdach zu klettern. Er fing sofort damit an Ina nach oben zu zerren, ohne weiter zu überlegen, auf Grund des Likörchenkonsums und aus Angst, nichts vom Feuerwerk mitzubekommen. Ich konnte das Treiben (und auch das wirklich gute Feuerwerk) dank meiner nicht nur geistigen Größe, ziemlich gut von der Terrasse aus beobachten. Ina schreit, immer noch an Thiese hängend "Uwe schieb - Uwe schieb". Ich stellte mir in einem Bruchteil einer Sekunde folgendes Szenario vor: Thiese in der Hocke, zieht an Ina als wolle er im Garten eine Wurzel rausziehen, als diese nachgibt fällt er nach hinten auf einen weichbemoosten Frühlingswiese mit gerade aufgebrochenen Krokosblüten in der Mittagssonne. Nicht so auf dem Dach, Uwe schiebt mit der ungebändigten Kraft einer Großsteinbrockenschleuder aus dem Mittelalter, Thiese fällt nach hinten über den ca. einen Meter vom Fenster entfernten Dachrand, mit Ina an den Händen auf die Wiese, die ca. 15 Meter tiefer liegt und anstelle weichem Moos und Krokussen mit Rüststangen, Steinhaufen, Glasscherben und jeder Menge splittriger Holzbalken und Bauschutt die von einigen Handwerken als "Kunst am Bau", sorgfältig arrangiert wurden und mit dem Schild mit der Aufschrift "Betreten verboten - Verletzungsgefahr !" sorgfältig durch anraten eines Bauleiters abgesichert wurde.

Das einzige was sie jetzt noch aufhalten könnte, ist ein vor drei Tagen in der Fassade, vom Bauabnehmer vergessener Nagel, an dem man mit seinem Auge oder seinem Pearcing hätte hängen bleiben können, wenn man ein Pearcing hätte.

Da das ziemlich unwahrscheinlich war und weil Uwe, der einzigst mir bekannte Freiwillige Feuerwehrmann mit fundierten Rettungs-. , Bergungs-. und Wiederbelebungskenntnissen am Ort, vermutlich hinterher gesprungen währe um im Sturz, schlimmeres abzuwenden, und ich möglicherweise bei den Hinterbliebenen in Erklärungsnot gekommen währe. Entschloss ich mich vorzuschlagen doch vielleicht über die Terrassenbrüstung aufs Dach zu klettern, was auch eifrig von den meisten Leuten bis auf ein par Schissern inklusive mir genutzt wurde, ich habe mir im Laufe meines Lebens, so viel Verstand angesoffen um mir einzugestehen, das ich für so einen Scheiß, noch nicht besoffen genug war. Somit konnten wir noch, über den Daumen gepeilt zehn Minuten das Feuerwerk genießen um dann festzustellen das es kein Likörchen mehr ans Öhrchen gab und wir folglich nach neuen Bezugsquellen Ausschau halten mussten. Also zogen wir getrieben von der Angst schließender Buden aber doch beruhigt ein größeres Unglück verhindert zu haben, in Richtung Stadt-Hafen zur Hansesail.

Ende des ersten Teils 

von Drehtüren und Unsichtbarmachexperimenten

Ich war gerade wie jede Woche in der Sparkasse meines Vertrauens, um den gerade gemachten Reihbach einzuzahlen, um dann festzustellen, daß der Reihbach garkeiner ist, weil die Zahlen auf dem Kontoauszug immer mit einem Minus gekennzeichnet sind. Nicht so diese Woche, ich konnte es kaum glauben, kein Minus. Ich trottete verzückt in Gedanken vertieft auf den Kontoauszug starrend, mit einem Grinsen im Gesicht zum Ausgang. Die Tür, eine riesige Drehtür aus Glas die kaum ein Kind bewegen könnte, stellte sich mir in den Weg. Mit einer ruckartigen Bewegung die einen Gemüsestand auf dem Malchiner Wochenmarkt problemlos umstoßen könnte (anders ist dieser Drehtür nicht beizukommen), versuchte ich mir den Weg ins Freie zu bahnen, um draußen weiterzuträumen welche meiner Investitionen in die Zukunft ich denn jetzt als erste tätigen würde, es war gleich Mittag und der Magen knurrte gar sehr. Die Türe gab kurz nach und Schluß. Naja hat sich bestimmt ein Einweggummi oder ein toter Frosch in der Tür verklemmt. Ich immernoch den Kontoauszug begutachtend wiederholte meine Bewegung aber diesmal mit der gesamten Körperlast die ich mir im laufe meines Lebens, als Winterreserve angefressen habe. Die Tür machte das gleiche wie vorher, nur diesmal mit einem winselnden oder quiekenden Geräusch so als wenn man nach einer lustigen Samstagabendparty auf eine Katze latscht. Also entschloß ich mich die Sache zu begutachten, und erblickte ein kleines Männchen auf der Außenseite der Drehtür der halb drin halb draußen quasi eingequetscht war. Er hatte eine ziemlich schmächtige Figur, und erinnerte mich an das Philadelphia Experiment, als die Ami´s in den Vierzigern an unsichtbarmachenden Schiffen rumfummelten, und dann ein par Matrosen, halb im Metall des Schiffes eingeschlossen wieder auftauchten.

Ich löste meinen Griff und der "Matrose" konnte sich befreien. Ich fragte ihn ob alles ok sei, aber er hatte damit zu tun sich seinen Bauch, seinen Rücken und die Stelle wo vorher seine Genitalien waren zu reiben, außerdem war es im sichtlich unangenehm beim "Drehtürschnellnochmitreinrutschen" erwischt worden zu sein, und entschwand diesmal etwas vorsichtiger in der Drehtür. Auch an den teils mitleidig teils belustigt dreinschauenden Gesichtern der Passanten erkannte ich, das die Schuld an seiner Misere ganz allein bei Ihm lag.

Was lernen wir daraus: indrehtührenschnellnochmitreinrutschen kann ziemlich schmerzhaft sein und total blöd aussehen, da helfen auch keine geletierten Haare und gelackte Juppieklamotten.

 

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